Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Spuren einer Bronzezeitsiedlung gefunden

Im Frühjahr 2019 startete die Suche nach Bodendenkmälern auf den für den Neubau vorgesehenen Flächen. Dabei wurden auf der künftigen Baustelle Überreste einer bronzezeitlichen Siedlung gefunden. Für Experten stand schnell fest: Hier siedelten Menschen vor über 3000 Jahren.

Östlich der Schleuse Erlangen befinden sich Siedlungen und Gräber aus der Bronzezeit. Experten vermuteten, dass noch weitere Siedlungen existieren. Um eine solche Siedlung keinesfalls zu beschädigen, sondern zu finden und zu bewahren, führte das WNA im weiten Vorfeld des Schleusenbaus eine umfangreiche Suche durch. Auch sollte mit diesen vorsorglichen Maßnahmen verhindert werden, dass Bodendenkmäler erst in der Bauphase entdeckt und der Schleusenbau in unvorhersehbarem Umfang verzögert wird.

Arbeiten auf dem Ausgrabungsfeld Ausgrabungen in der Nähe der Schleuse Erlangen Quelle: Pro Arch Prospektion und Archäologie GmbH

Anfang März 2019 starteten die Baggerarbeiten. Nach dem vorsichtigen Abtragen der oberen Bodenschicht ließen sich zahlreiche Bodenverfärbungen erkennen. Für archäologische Experten ein möglicher Hinweis auf ehemalige Holzpfähle, die Teil der Häuser unserer Vorfahren waren. Entdeckt wurden auch Abfallgruben. Und es wurden sogar Spuren kreisförmiger Gräben gefunden, die vermutlich von Grabhügeln herrühren.

Insgesamt wurden auf dem ca. 2,5 Hektar großen Ausgrabungsfeld fast 1.000 solcher Verfärbungen, der Archäologe spricht von „Befunden“, identifiziert und untersucht. Jeder der Befunde wurde „geschnitten“, das heißt: zur Hälfte ausgegraben. Dabei gibt die Form der Verfärbung im Längs- oder Querschnitt genauere Aufschlüsse zu deren Ursprung: War es ein angespitzter Holzpfahl oder wurde Holzkohle in eine offen stehende Grube entsorgt?

Bronzezeitliche Tasse Bronzezeitliche Tasse Quelle: Pro Arch Prospektion und Archäologie GmbH

Alle Befunde wurden im Detail untersucht und ausgegraben. Zu jedem Fund wurde ermittelt, wie sich seine Verfüllung zusammensetzt ist. Das Fundmaterial – Keramikscherben von Vorratsbehältern, Steinartefakte, Knochen- und Lehmreste – wurde gereinigt und inventarisiert.

Leben vor über 3000 Jahren

Die Befunde und Funde geben den Archäologen wichtige Aufschlüsse über das damalige Leben und öffnen das Guckloch in die Geschichte: Etwa 1400 - 1300 v. Chr. siedelten hier Menschen auf der westlichen Regnitzterrasse. Ein guter Platz, denn die Seebach sicherte die Trinkwasserversorgung, die leichte Erhöhung sorgte für den notwendigen Hochwasserschutz. Die Menschen wohnten in mittelgroßen, zweischiffigen Häusern, Länge ca. 12 Meter, Breite zwischen fünf und sechs Metern. Zwischen 50 und 100 Menschen lebten hier, in einem guten Dutzend Hütten, dazu Rinder und Pferde. Sie betrieben Ackerbau. Das lässt sich schließen aus den Funden von Resten von Mahlsteinen zur Herstellung von Mehl und von Teilen großer Gefäße, in denen vermutlich Getreide gelagert wurde. In zwei Gruben fanden sich Spinnwirtel aus Keramik. Sie dienten als Webgewichte für einfache Handspindeln – ein Beweis dafür, dass in der Siedlung Wolle oder Flachs zu Garn versponnen wurde.

Gusstropfen aus Bronze Gusstropfen aus Bronze - mögliches Anzeichen für Metallverarbeitung in der Siedlung Quelle: Pro Arch Prospektion und Archäologie GmbH

Gusstropfen aus Bronze als Beleg

Das aufschlussreichste Fundstück ist ein kleiner unförmiger Guss-Tropfen aus Bronze, der zeigt, dass es sich nicht nur um eine Siedlung aus der Bronzezeit handelt, sondern dass hier wahrscheinlich auch tatsächlich Gegenstände aus Bronze hergestellt wurden. Schätze und Schmuckstücke aus Gold oder anderen Edelmetallen sucht man hier allerdings vergebens. Zum einen liegt das wohl daran, dass auch damals die Menschen schon auf ihre wertvollen Besitztümer geachtet haben. Außerdem wurden die Flächen landwirtschaftlich genutzt, so dass viele Spuren im sandigen Boden längst dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind.

Ein Fundstück gibt den Archäologen noch Rätsel auf. Dabei handelt es sich um ein Steinbeil. Es stammt aus der mittleren Jungsteinzeit (Mittelneolithikum ca. 5000 – 4500 v. Chr.) und ist damit deutlich älter als die bronzezeitliche Siedlung. Frage: Was hat ein Steinzeitbeil in der Bronzezeit verloren?

Ausstellung geplant

Das WNA plant eine kleine Ausstellung der aussagekräftigsten Fundstücke für Interessenten. Dazu wird ein Ausstellungsraum neben dem Baubüro der Schleuse Kriegenbrunn eingerichtet werden, wenn die Arbeiten für den Neubau der Schleuse beginnen.

Ausgrabungen in den Wintermonaten

Die Ausgrabungsarbeiten fanden jeweils in den Wintermonaten, im März 2019 und dann erst wieder von Oktober bis Dezember 2019 statt. Grund: Aufgrund der Lage des Grabungsfeldes in der Trinkwasserschutzzone kann nur in den Wintermonaten gearbeitet werden, wenn wenig Trinkwasser benötigt wird und die nahegelegenen Brunnen vorsorglich außer Betrieb genommen werden können.